Das KuLe Theater
1990 eroberte eine Gruppe junger Künstlerinnen und Künstler den leerstehenden Altbau in der Auguststraße 10 via Besetzung und ließ das Kunsthaus KuLe entstehen. Seitdem gibt es das KuLe Theater als einen Ort vielfältiger Veranstaltungen und vor allem als einen Arbeitsort, sowohl der KuLe BewohnerInnen, als auch zahlreicher GastkünstlerInnen aus dem In- und Ausland. Es ist sowohl ein experimenteller als auch ein nicht-kommerzieller Aufführungsort, in dem Bilder-, Objekt- und Tanztheater, Performance, Installation, Malerei und Objektkunst bis hin zu Neuer & Improvisierter Musik und DJ-Kultur verknüpft wird. Ebenso wurde im Rahmen der Renovierung des Hauses eine Fassadengalerie eingerichtet, die seitdem vielen KünstlerInnen eine seltene und große Möglichkeit des Ausdrucks gegeben hat. Das KuLe Theater ist also Forum und Treffpunkt einer gewachsenen Berliner Künstlerszene und Ort für internationalen Kulturaustausch.
Der programmatische Name KuLe – “Kultur und Leben” – entstand, als sich der Kern der KuLe-Gruppe bei interdisziplinären Projekten an der Hochschule der Künste Berlin kennenlernte und beschloss, nicht nur gemeinsam künstlerisch zu arbeiten, sondern auch zusammen zu leben. Seit 1993 hat der KuLe e.V. einen 20jährigen Pachtvertrag für das Haus in der Auguststraße und hat in der vom Berliner Senat geförderten baulichen Selbsthilfe die notwendige Renovierung des Altbaus liebevoll und künstlerisch von 1994 – 1998 vorgenommen. Der Beginn der 90er Jahre war für Berlin und Deutschland die Zeit eines entscheidenden historischen Umbruchs und damit ein Moment, in dem alles möglich schien: Freiräume brachen auf, die mit völlig neuen Visionen gefüllt werden konnten. Der Geist der Zeit wird seitdem in KuLe kontinuierlich weiter entwickelt, das Haus ist immer ein kreativer Motor eines weltweiten Netzwerkes von KünstlerInnen und LebenskünsterInnen geblieben. KuLe ist damit einer jener Orte im Zentrum Berlins, wo durch die enge künstlerische Verschränkung verschiedener Ausdrucksformen, und die gemeinsam gedachte Realität von „Kultur“ und „Leben“ eine spezifische Qualität entstanden ist.
Das Haus in der Auguststraße 10 ist ein durch selbstbestimmte und partizipative Handlung angeeigneter Ort - also eine “Notwendigkeit”, wie Heiner Müller in einer Begegnung im Haus 1990 bemerkt hat.